PD Dr. med. Monika Ridinger

Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie FMH

Buchautorin

Meine Botschaft: ADHS ist ein So-Sein. Seit den 90er Jahren durfte ich klinische und wissenschaftliche Erfahrungen zu ADHS im Erwachsenenalter sammeln und habe einige Publikationen zum Thema veröffentlicht. Eine der ersten Botschaften in meiner ADHS-Sprechstunde ist: Das Gehirn funktioniert bei ADHS anders. Betroffene müssen dies verstehen und akzeptieren. Erst dann wird es möglich, ein Selbst-Bewusstsein zu entwickeln und einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Natürlich sind dies Anpassungsleistungen, die jeder Mensch im Laufe seines Lebens vollzieht; beim ADHS treten die Veränderungen jedoch so frühzeitig und vielseitig in Erscheinung, dass das Anders-Sein alle Lebensbereiche und Lebenszeiten durchzieht. Allein dies rechtfertigt es, ADHS als Störungsbild zu definieren. Hauptsymptome sind die mangelnde Reizfilterung und mangelnde Impulskontrolle. Gedanken müssen gedacht, Geräusche müssen gehört werden und es ist schwer bis unmöglich, die Informationsfülle zu stoppen. Quälend sind auch die intensiven Gefühle, die aus dem Feedback von anderen Menschen entstehen: ADHS macht zum «Fähnchen im Winde». Dies alles gilt es steuern zu lernen. Auch das ist eine normale Anpassungsleistung im Entwicklungsverlauf aller Menschen. Bei ADHS braucht es hierzu spezifische Strategien.

Medikamente können es erleichtern, diese Strategien der Selbststeuerung aufzubauen und einen Platz in der Gesellschaft einzunehmen. Somit sind Therapien nötig, obwohl ADHS eine der wenigen Erkrankungen ist, die wir mit Medikamenten ursächlich behandeln können. Und am Ende bleibt das So-Sein: Viele Gedanken zu denken und leicht abgelenkt zu sein, schnell für etwas begeistert und schnell gelangweilt zu sein, hohe Überwindungskraft für Dinge zu brauchen, die zur Routine gehören, im Chaos schnell und unkompliziert zu funktionieren, Menschen mitzureissen und sensibel auf deren Feedback zu reagieren…. Zu allen Zeiten wurden Menschen mit ADHS-spezifischen Symptomen in die Gesellschaft integriert. Selbsthilfe, Coaching,

Informationsplattformen und gut geschulte professionelle Helferinnen und Helfer sind die Antworten unserer Zeit auf diesen Bedarf. Dabei sind es nicht die Anderen, die ein Verständnis für ADHS aufbringen und aufbringen müssen, sondern es sind die Betroffenen mit ADHS, die aktiv ihr So-Sein anerkennen und die Plätze einnehmen lernen können und müssen, die ihnen eine hohe Lebensqualität ermöglichen. Denn eines ist sicher: Qualität und Zufriedenheit ergeben sich hauptsächlich aus der Selbstakzeptanz und der Zuversicht, das eigene Leben meistern zu können.

Julia Egli

Studentin Innenarchitektur

Miss Schweiz Anwärterin 2015

Dadurch, dass ich selber ADHS habe, kann ich aus eigener Erfahrung reden und nach-vollziehen,was andere Betroffene durch-
machen. Mit meiner Abschlussarbeit in der Lehre über mein Störung lernte ich genauer, was mit meinem Körper nicht stimmt und auch warum. Mit diesem Wissen erhielt ich viele "AHA-Momente". Als Kind tanzte ich aus der Reihe, war zappelig, laut und wusste nicht, wann es genug war. Dadurch stand ich bald als Aussenseiterin da und das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl sanken. Dies entwickelte sich zu einem Teufelskreis und diesen will ich helfen zu unterbrechen.

Ich möchte Betroffenen zeigen, was man mit grossem Willen und Ausdauer erreichen kann!

In unserer heutigen Zeit, herrscht ein enromer Leistungsdruck, und wer nicht mit einer raschen
Aufnahmefähigkeit gesegnet ist, hat das Nachsehen. Doch mit Geduld und Unterstützung kann
man vieles erreichen und über sich hinauswachsen!

Ausserdem ist ein weiteres Anliegen von mir, der Öffentlichkeit ADHS näher zu bringen und
dadurch mehr Verständnis aufzubauen. Auch liegt es mir am Herzen, die vielen Vorurteile
und Missverständnisse aus dem Weg zu räumen.

Wenn ich die Gelegenheit erhalten und im November zur Miss Schweiz gewählt werde, hätte
ich  die Möglichkeit das ADHS an die breite Öffentlichkeit zu bringen, Verständnis aufzubauen
und vielen Betroffenen zu helfen.

 

Miguel Camero

Human Beatbox Entertainer & Musiker

Vor einigen Jahren habe ich mir ein Buch über ADHS gekauft, jedoch nicht für mich, sondern für jemanden, der sehr stark davon betroffen war. Bevor ich es weg geben wollte, war es mir ein Anliegen, dieses Buch zuerst zu lesen, in der Hoffnung, die betroffene Person besser verstehen zu können. Je mehr ich darin las, desto mehr wurde mir bewusst, dass ich ein Buch über mich und meine Probleme las. Nichts was ich mir einbildete, sondern alles Dinge, mit denen ich schon mein Leben lang zu kämpfen hatte. Auch ich fiel in der Schule auf, war ein grosser Träumer, unkonzentriert und einfach etwas anders als die Anderen, was sich immer sehr schnell bemerkbar machte. Man schickte mich zum Kinderpsychologen oder zum Hörtest, da ich Mühe hatte zuzuhören. Doch an meinen Ohren lag es nicht. Ich hatte schon immer grosse Mühe damit zu lernen, mich zu konzentrieren und meine Beine still zu halten.  Auch mir war bewusst, dass da irgendwas mit mir nicht stimmt. Dieses Buch über ADHS klärte mich auf und es fiel mir ein grosser Stein vom Herzen. Endlich wusste ich was ich habe. Nichts Schlimmes, nein, sondern eine Herausforderung! Und ich liebe Herausforderungen. Trotz ADHS habe ich in meinem Leben extrem viel erreicht und möchte noch viel mehr erreichen! Das Wichtigste für ADHS Betroffene ist der Glaube an sich selbst und eine grosse Portion Selbstliebe! ADHS ist keine Krankheit sondern eine Herausforderung, die jeder meisten kann!

Lic. phil. Andreas Braun

Fachpsychologe für Psychotherapie

ADHS-Coach

Singer und Songwriter

Die  Menschen die zu mir  in eine  ADHS-Abklärung  kommen, versuchen oft verzweifelt ihr „Leben auf die Reihe zu bringen“.

Sie glauben, sie müssten sich nur genug anstrengen, um in Beruf und Familie zu funktionieren. Viele haben eine wahre Odyssee psychiatrischer und sonstiger Behandlungen hinter sich. 

Daher wird es oft als grosse Erleichterung empfunden, dem Anderssein endlich einen Namen geben zu können.

Erst durch Akzeptanz und Verständnis der eigenen Natur öffnet sich der Blick für das damit verbundene Potential.

Viele ADHS ler sind leidenschaftlich und müssen sich mit Haut und Haar ganz einer Sache verschreiben, Eins werden mit dem was sie tun. Wenn sie ihre Bestimmung gefunden haben, können sie auf ihrem jeweiligen Gebiet Herausragendes erzielen und aufgrund ihrer Gerechtigkeitsliebe und Empathie konfliktfreie und stimmige Beziehungen gestalten. 

Statt dem verzweifelten Bemühen es allen recht zu machen, können die ADHS-typischen Eigenschaften durchaus konstruktiv ins eigene Leben integriert werden. Damit dies aber gelingt, ist eine strategische Ausrichtung, die auf Selbsterkenntnis beruht, notwendig:

Wie will ich leben? Unter welchen Bedingungen kann ich mich optimal (und konfliktfrei) entfalten?

Psychotherapie und Coaching  bei von ADHS betroffenen Menschen begreife ich daher als ein Erlernen von Lebenskunst im eigentlichen Sinne.

 

Dr. phil. Claude Chemelli

Ungeschoren kommt man nicht aus der Zwickmühle. Der Name sagt es: Man wird gezwickt und gemahlen: Inwiefern jemand bei sich selbst sein und bleiben kann-  und wo das Individuum in einem fremden Räderwerk ‘zurechtgewalzt’ wird, das ist anscheinend Glückssache.

Der eigene Charakter wird von Betroffenen gerne ebenso problematisiert wie idealisiert. Das Schwierige wird geliebt wie ein ungehorsames Kind. Begabung soll vor eindimensionalen Ordnungsprinzipien geschützt werden. Denn: das Talent ist eine suchende Seele. Allerdings kann gerade aus solcher Betroffenheit Bewusstheit erwachsen, Klarheit darüber, wer man ist, wo man steht und geht. Die Fähigkeit, das zu lieben, was ist und der begründete Glaube, dies entwickeln zu können, formt Entscheidungsträger, die ihren Kurs halten ohne ständig von inneren und äusseren Kräften auf die Strasse des Zufalls und der Heimatlosigkeit geworfen zu werden. 

Viele Menschen haben zwar tausend Wünsche, doch sie wissen nicht, was sie im Eigentlichen wollen. «What am I here for?/Wozu bin ich hier?» ist nicht nur der Titel eines halb vergessenen Schlagers, es ist die Kernfrage, welche von einem Haufen von Problemen zugedeckt ist, mit denen sensible Leute tagtäglich kämpfen. Die Gespräche mit Personen, denen eine ADHS zugeschrieben wird, machen mir immer – aber wirklich immer – deutlich, dass die praktischen Probleme nach einer existenziellen Klärung suchen. Die Notwendigkeit, das eine mit dem anderen zu verbinden, zeigt sich im Dialog.

Dr. med. Helga Simchen

Dem Anderssein nicht nur einen Namen geben, sondern dessen neurobiologische Ursache kennen und begreifen, das wünschen sich viele Betroffene. Sie möchten wissen, warum sie so sind und was sie, falls erforderlich, dagegen tun können. Deshalb ist es gut zu wissen, dass es sich beim ADHS sowohl um eine Unterfunktion im Stirnhirnhirnbereich mit Reizfilterschwäche, als auch um einen Mangel an Botenstoffen handelt. Dadurch erreichen zu viele Informationen ungefiltert das Gehirn, dessen Nervenbahnen sich dann engmaschiger vernetzen, was die Ausbildung dichter Lernbahnen beeinträchtigt. Manche Informationen gelangen so nur auf Umwegen vom Arbeitsgedächtnis zum Langzeitspeicher. Da sie nicht schnell genug weitergeleitet werden, sind sie auch nicht bei Bedarf wieder sofort abrufbar. Diese besondere Art der neuronalen Vernetzung ermöglicht die vielen ADHS typischen positiven Fähigkeiten, kann aber auch belastungsabhängig Lernfähigkeit und Verhaltenssteuerung beeinträchtigen. Wenn dann immer alles schlechter ausfällt als erwartet, erzeugt das auf Dauer negativen Stress, der zum wesentlichen Faktor für die Entwicklung von ADHS-bedingten Komorbiditäten wird.

Das Erklären von neurobiologischen Zusammenhängen und wie man trotz ADHS sein Denken und Handeln durch aktive Mitarbeit verändern kann, das sind wichtige Botschaften, die den Betroffenen zeigen, wie es möglich ist, mit Hilfe von individuellen Lern- und Verhaltensstrategien Selbstwertgefühl und Sozialverhalten zu verbessern und sich von der bisherigen Mängelverwaltung zu trennen.

Alain Sutter

Spitzensportler, Autor, Potentialentfaltungs-Coach

Marcel Meier

Unternehmer, Initiant, Potentialentfaltungs-Coach

Unsere Mission lautet "inspire people to unleash the full potential!" und da scheint es logisch, dass wir uns mit den Verantwortlichen von adhs 20+ ziemlich rasch gefunden haben, denn deren Philosophie passt zu unserem Approach:

ADHS Betroffene haben oft ein unglaubliches, meist unerkanntes Potential das sie in reichem Maß bei Tätigkeiten oder Aufgaben einsetzen können, von denen sie beeindruckt oder gar gänzlich vereinnahmt werden! Hat man diese oft erstaunlichen Möglichkeiten und besondere Potenziale aber erst einmal erkannt, wird man sowohl als selbst Betroffener, sowie auch als Partner, gerade mit ADHS ein überaus glückliches und nahezu unbelastetes Leben führen können!

 

Wir sind vielleicht etwas anders, aber das seid ihr ja auch ;-)

Monique Bircher

Dr. med.
Fachärztin FMH

Botschaft ADHS 20+

Als Psychiaterin beschäftige ich mich seit Jahren mit ADHS bei Erwachsenen – führe Abklärungen durch und Behandlungen. In den allermeisten Fällen sind es Menschen, die lebhaft erzählen, wie  sie über Jahre gekämpft haben, so zu sein wie man sein sollte. Sie haben versucht, den „normalen“ Anforderungen in der Gesellschaft, im Beruf, in der Familie und der Partnerschaft zu entsprechen. Sie haben sich trotz wiederkehrender Erschöpfungszustände immer wieder aufgerappelt  und nochmal versucht. Eine Kette von guten Vorsätzen und eine Kette von Misserfolgserlebnissen – und ein endloser Stress.

Irgendwann kommt das AHA-Erlebnis – Aha ich habe ein ADHS – Aha es gibt noch andere so wie ich – aha es gibt Hilfe und Unterstützung, dass man sich besser fühlt mit sich selber und der umgebenden Welt. Das A und O ist,  in Zusammenarbeit mit Fachleuten lernen zu verstehen, was denn anders und wie anders ist,  wie das Chaos in mir selber und um mich herum entsteht und zu erklären ist.
Aha das ist ja nicht einfach mein Ungenügen sondern weil mein Hirn auf diese Weise funktioniert, resultieren daraus Stärken und Schwächen, mit denen ich lernen kann umzugehen. Was muss ich beachten, damit meine Selbstregulation für mich und nach aussen besser funktioniert. Auch verschiedene  Medikamente und  diverse Unterstützungsmassnahmen im Alltag kann ich nutzen. um erfolgreich meine Ziele anvisieren zu können.

Entwicklungsgeschichtlich gab es schon immer einen Prozentsatz an Menschen, die andere hervorstechende Eigenschaften aufweisen als die meisten anderen. Sie lassen sich anschaulich als „Jäger“ beschreiben: sie kontrollieren fortwährend die Umgebung, sie können sich völlig in eine Sache vertiefen während ihnen die Zeit davonläuft, sie sind flexibel und können ihre Strategie blitzartig ändern, sie können einen unglaublichen Energieschub in eine Sache einbringen, sie lieben akute Situationen und langweilen sich rasch bei gleichbleibenden Aufgaben, sie begeben sich in Gefahren, denen „normale“ Menschen aus dem Weg gehen würden. Diese Jägereigenschaften sind – sofern sie kontruktiv genutzt werden können, eine wichtige Antwort zugunsten von Kreativität und Innovation in der Welt. 

Es ist eine  befriedigende Arbeit mit diesen ADHSlern. Es sind Menschen mit  Herz, offene neugierige Menschen, unkonventionelle und kreative Menschen die im privaten als auch öffentlichen Bereich viel Wertvolles beitragen.  

Dr.med. Doris Ryffel-Rawak
 

Psychiatrie und Psychotherapie FMH
Buchautorin

Als Initiantin der früheren "IG-ADS" freue ich mich besonders als Botschafterin der nun neu gegründeten ADHS 20+ viel Erfolg zu wünschen.

Die ADHS bedeutet bekanntlich einen "Lebensweg mit Hindernissen" und stellt sowohl Betroffene, deren Angehörige wie auch Therapeuten vor immer neue Herausforderungen.

Die praktischen Erkentnisse über die ADHS als lebensbegleitendes Störungsbild sind heutzutage weitgehend wissenschaftlich fundiert. Im Dschungel der steigenden Gesundheitskosten ist dieser Umstand von enormer Wichtigkeit. Bei allen Diskussionen dürfen wir aber nie ausser Acht lassen, dass es sich in erster Linie immer um einzelne, leidende Menschen mit ihren ganz persönlichen, individuellen Eigenschaften handelt.

Therapeuten tun ihr Möglichstes um diesen Menschen zu helfen, doch nur in einer Selbsthilfegruppe können ADHS-Betroffene erfahren, dass sie nicht alleine mit ihren Problemen dastehen.

Dr. med. Heiner Lachenmeier

Psychiatrie & Psychotherapie FMH

ADHS wird oft nur als Liste fixer Defizitsymptome gesehen. Klar, droht den Betroffenen dann schnell Resignation. Dabei ist ADHS eine biologisch bedingte Funktionsweise. Die Symptome sind mögliche Folgen davon, nicht das Zentrum. Folgen, die mitunter nur bestehen, wenn man das Funktionieren von ADHS bei sich nicht versteht. Das ist wie in einem Spiel mitzuspielen, von dem man vielleicht den Namen, nicht aber die Spielregeln kennt: So kann man nicht gewinnen. Folglich ist es entscheidend, zuerst die Regeln zu erkennen. Oder eben die logisch nachvollziehbare Funktionsweise der ADHS zu erfassen. Dadurch kann einiges (nicht alles) an möglichem Leiden durch ADHS überwunden werden. Oder eben: Man kann ganz normal auch mal gewinnen.

Cordula Neuhaus

Dipl. Psychologin, Dipl. Heilpädagogin, Psych. Psychotherapeutin, Buchautorin

Der „Glaubenskrieg“ um das Thema ADHS will irgendwie nicht aufhören, selbst nicht nach dem 5. europäischen Weltkongress im Mai 2015 in Glasgow. „Unaufgeregt mit todesmutiger Entschlusskraft“ unterstütze ich seit Beginn meiner Spezialisierung auf das Thema ADHS die Selbsthilfe national und international. Besonders positiv beeindruckt war ich von den Künstlertagen der Initiative ADHS 20+ in Lenzburg! Selbstbewusst und irgendwie selbstverständlich wurden typische Ressourcen wie kreative Perfektion, Organisationstalent (für andere kann man bekanntlich alles!), charmante Herzlichkeit und unverblümtes direktes Benennen von Erkanntem offenkundig.
Entgegen des heutigen Trends, dass alles immer „schneller und schlanker“ laufen soll, erscheint es mir dringlich notwendig, darauf hinzuweisen, wie wichtig eine wirklich gründliche und umfassende Diagnostik bei ADHS (und Comorbiditäten) ist. Nach wie vor sind die Odysseen vieler Erwachsener lang, bei der visualisierten Erklärung der neurobiologischen Hintergründe zum funktionellen Verstehen des „Wahrnehmungs- und Reaktionsstils“ bei ADHS werde ich seit Jahren gefragt „Warum hat mir das denn noch niemand erklärt – genau so bin ich…“
Therapeutische Behandlungsansätze sind dahingehend zu überprüfen, ob sie für die Betroffenen nachvollziehbar, plausibel und vor allem „alltagstauglich“ sind (wenn ja, werden kompensierende Strategien wirklich umgesetzt – und das erhöht das Selbstwirksamkeitsempfinden beim Patienten und dem Behandler!).

Dr.med. Herbert Leherr

Psychiatrie und Psychotherapie FMH

Zu den befriedigendsten Aufgaben als Leitender Arzt einer Psychiatrischen Klinik gehören für mich die Gespräche mit ADHS-Betroffenen, der interessierte Blick auf ihre Lebensgeschichten und die konstante Neugierde, wie sich die individuellen Bewältigungsstrategien entwickelt haben – und wie sie verbessert werden können. Viele Erwachsene sind froh, wenn sie - nach differenzierter Diagnostik- eine klare Rückmeldung bekommen, wie ihre oft sehr unterschiedlichen schwierigen Erfahrungen in verschiedenen Lebensabschnitten und Alltagsbereichen zusammenhängen. Wissenschaftliche ADHS-Erklärungsmodelle können nicht alle Fragen klären, sie geben aber eine akzeptable Grundlage für ein besseres Verständnis, warum man als Mensch mit ADS/ ADHS oft anders „tickt“, als es von einem selbst oder anderen erwartet wird. Mit einem Mix aus medikamentöser Behandlung, psychotherapeutischer Stütze und alltagspraktischen Coachingelementen kann vielen Betroffenen dabei geholfen werden, zufriedener zu sein.

Ursula Davatz

Dr. med., Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH

Meine Botschaft ist: ADHS ist keine Krankheit

und dürfte deshalb auch nicht mit den psychiatrischen Diagnosen figurieren. ADHS ist eine Normvariante der menschlichen Vielfältigkeit, ein Persönlichkeitstyp, der genetisch vererbt ist. Dieser Persönlichkeitstyp hat Vor- und Nachteile, er kann mit ganz besonderen Begabungen einhergehen, aber auch mit gewissen Schwächen in anderen Leistungsbereichen. Durch ihre hohe Sensitivität sind diese Menschen in der Interaktion mit dem Umfeld vielen Verletzungen ausgesetzt. Diese sich negativ auf die Entwicklung der Menschen mit ADHS auswirkenden Umfeldeinflüsse können schliesslich zu psychiatrischen Krankheitsbildern führen, zu Folgekrankheiten. 75% der Erwachsenen mit ADHS erhalten zusätzlich eine psychiatrische Diagnose. Dies muss nicht so sein, wenn wir das Umfeld von Kindern mit ADHS schon früh beraten, damit diese „persönlichkeitsgerecht“ behandelt werden können, sodass sie nicht unnötig Schaden nehmen und psychisch krank werden. 25% der Kinder mit ADHS entwickeln sich zu interessanten Persönlichkeiten, manche davon erbringen sogar hervorragende Leistungen in Wissenschaft, Kunst oder auch in der Wirtschaft.

Es ist mir aus diesem Grund ein grosses Anliegen präventiv einzugreifen. Ich unterstütze das erzieherische Umfeld dieser speziellen Kinder mit ADHS möglichst früh fachlich kompetent und betrachte sie aber nicht als krank, sondern vielmehr als Menschen mit einem bestimmten Persönlichkeitstyp. Durch entsprechende Beratung des erzieherischen Umfeldes können aus meiner Überzeugung diese 75% psychischer Krankheiten mit grösster Sicherheit heruntergesetzt werden. Diejenigen, die schon das 20. Altersjahr erreicht haben  - es geht ja um ADHS 20+  - sind kompetent zu unterstützen, sowohl in ihrer Berufsfindung wie auch in der Lebensführung, wo immer dies nötig ist. Dadurch müssen sie sich nicht zeitlebens als Aussenseiter fühlen innerhalb der Gesellschaft, sondern als wichtige, integrierte Mitglieder, die einen eigenwilligen und interessanten Beitrag zur Vielfalt der menschlichen Gesellschaft liefern können. 
Denn es gilt das biologische Gesetz:  Inhomogene Populationen überleben besser als homogene.

 

Dr. med. U. Davatz

Monika Brunsting

Dr. phil. Fachpsychologin für Psychotherapie FSP und Sonderpädagogin, Autorin

Seit Jahren ist für mich klar: ADHS (als hyperaktive und als hypoaktive Variante) sind keine Phantome, wie immer noch und immer wieder zu vernehmen ist in der Öffentlichkeit. Es sind Realitäten für viele Menschen in der heutigen Zeit. Es gibt wohl keinen Lebensbereich, in dem ADHS nicht eine Rolle spielen kann. Beruf, Partnerschaft oder persönliche Entwicklung können davon betroffen sein. Diagnostik, Beratung, Coaching und Therapie wird in den letzten Jahren vermehrt von Erwachsenen gesucht, was darauf hinweist, dass das Bewusstsein für solche Schwierigkeiten gewachsen ist. Manche Menschen suchen auch einen Nachteilsausgleich, um anspruchsvolle Ziele zu erreichen. Seit ein paar Jahren gibt es einen Nachteilsausgleich für ADHS-Betroffene, die Schwierigkeiten mit ihrer Ausbildung oder ihrem Studium haben. Aber dieser allein löst die Probleme nicht. Dazu sind eigene Schritte nötig. Neurowissenschaftlich fundierte, verhaltenstherapeutische und achtsamkeitsbasierte Interventionen können helfen, mit ADHS-bedingten Schwierigkeiten das Leben besser meistern zu lernen. Auch die Positive Psychologie kann im Coaching-Alltag viele gute Impulse geben. Ich versuche, mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln auf die Probleme aufmerksam zu machen, sie Einzelnen bewusst zu machen und gemeinsam mit Betroffenen Wege zu finden, die möglichst gut weiterführen. Kürzlich erschien eine Überarbeitung meines Buches „Träumer oder ADS?“. Auch da lassen sich verschiedene Wege finden und das Motto des Buches „Take it easy – but take it“ ermuntert, die Sache ernst zu nehmen und anzupacken, sich von ihr aber nicht erdrücken zu lassen.

Dr. med. Elisabeth Nagel

Psychiatrie und Psychotherapie FMH

3 bis 5% der Erwachsenen leiden (mehr oder weniger) unter einer ADS oder ADHS Symptomatik. ADHS ist keine Krankheit, sondern ein Anderssein. Der genetisch bedingte und häufig während der Schwangerschaft und in den ersten Lebensmonaten entstandene Mangel an Dopamin im Gehirn führt dazu, dass man sich  schlecht konzentrieren kann, sich schnell langweilt, nicht an einer Sache bleiben kann, innerlich nie zur Ruhe kommt, sich unter anderen Menschen oft fremd und nicht angenommen fühlt, impulsiv redet und handelt, häufig sehr verletzlich ist und unter ausgeprägten Stimmungsschwankungen leidet. Die sog. Belohnungssysteme im Hirn, die uns ein befriedigtes Gefühl verschaffen sollen, funktionieren nicht richtig. Man muss immer noch mehr leisten, sich noch mehr bewegen und es hilft doch nicht. Es gibt verschiedene Formen von ADHS. Die Art und Weise, wie und die Umgebung, in der man aufwächst spielen eine bedeutende Rolle.

Häufig bestehen  auch  körperliche Symptome: Ferritin, Vitamin B12 und Vitamin D Mangel, Nahrungsmittelallergien, Reizdarm, Hautprobleme, Heuschnupfen, Asthma, Migräne und Schlafprobleme.

Aber die gute Botschaft: ADHS Betroffene haben viele Vorzüge: sie sind kreativ, haben immer neue Ideen, sind sehr empathisch und sensibel. In  Wissenschaft, Kunst und Management findet man sie an der Spitze.

Ist eine Therapie notwendig, besteht sie aus Medikamenten, welche Dopamin ersetzen, Ritalin z.B. und  ev. einer begleitenden Psychotherapie, um erlittene Verletzungen zu verarbeiten  und im Sinne eines Coaching Strukturen auf zu bauen. Ritalin wird zur  Zeit von gewissen Kreisen verteufelt. Lassen Sie sich nicht beirren. Es ist seit 70 Jahren im Handel, das am besten untersuchte Medikament, gut verträglich und verursacht kaum Nebenwirkungen und keine Langzeitschäden.

Gerhard Spitzer FH Doz. Ing.

Verhaltenspädagoge und Autor aus Wien

Zahllose Erwachsene neigen dazu, manch einen Leidensdruck wohl an sich selbst wahr zu nehmen,diesen aber am liebsten nicht mit einem medizinischen Störungsbild in Verbindung bringen zu wollen.

So wird es wohl auch zu den Aufgaben von adhs20+ gehören, jene Menschen, die vielleicht unter undefinierbarer innerer Getriebenheit, hektischen Zuständen, leidensvoller Zerstreutheit, oder auch unter spürbarer Ausgrenzung und dem Gefühl anders zu sein? leiden, vielleicht den Mut zu einem neuen Blickwinkel zu geben.

Auch mir selbst hat es vor vielen Jahren geholfen, meinem ?anders Sein? einen Namen geben zu können.

"Wahre Lebenskunst ist nicht, dies oder das zu sein, sondern man selbst zu sein".

(Soren Kirkegaard)