Fragen zu ADHS

Ich rieche alles stärker oder anders.
Ich höre alles stärker.
Ich spüre alles stärker.
Ich sehe alles stärker.
Ich empfinde und schmecke alles stärker.
Ich weiss, dass ich alles stärker spüre als all die anderen,
obwohl ich noch nie in einem anderen Körper gesteckt habe,
aber ich bin nur noch schwach!
Aber eigentlich bin ich gar nicht so schwach, weil sonst hätte ich
all "das" ja gar nicht bis zum heutigen Tag geschafft, oder?

(aus Krause & Krause, 2003)

Häufig gestellte Fragen zum Thema ADHS im Erwachsenenalter

Wie zeigt sich ADHS im Erwachsenenalter?

ADHS-Patienten
- sind oft unaufmerksam und rasch ablenkbar
- arbeiten schnell, machen aber oft Flüchtigkeitsfehler
- sind desorganisiert im Alltag und planen nicht voraus
- sind oft vergesslich und unzuverlässig
- sind enthusiastisch gegenüber Neuem, verlieren jedoch rasch das Interesse
- sind schlecht in Zeiteinschätzung, nehmen sich zuviel vor
- sind impulsiv im Umgang mit Personen, z.B. Partnern oder Vorgesetzten
- sind ungeduldig, ruhelos, können nicht warten
- suchen Risiken beim Sport
- wechseln oft die Arbeitsstelle
- haben oft Probleme im Strassenverkehr
- sind häufig Raucher oder exzessive Konsumenten von Kaffee oder Cola

ADHS betroffene Erwachsene sind oft geniale Chaoten, ruhelos, innerlich angetrieben, risikofreudig und innovativ und sind nicht selten im künstlerischen Bereich oder auch in Führungspositionen anzutreffen. Viele der Betroffenen können jedoch ihre Möglichkeiten nicht ausschöpfen und leiden unter den Symptomen. Begleiterkrankungen wie Burnout, Depression, Angsterkrankungen, Essstörungen oder Sucht, etc. kommen häufig vor.

 

Kann eine ADHS im Erwachsenen Alter entstehen?

Nein - Menschen, die im erwachsenen Alter bezüglich ADHS abgeklärt werden, sind meist als Kind nicht abgeklärt worden. Deshalb darf ADHS im Erwachsenenalter nur diagnostiziert werden, wenn mit ausreichender Sicherheit die Diagnose für das Kindesalter gestellt werden kann.

 

Wächst sich ADHS aus?

Die Fachwelt ging lange davon aus, dass das so ist. Seit 10 Jahren weiss man, dass mind. 50%, die in der Kindheit oder Jugendalter abgeklärt worden sind, die Symptomatik auch im Erwachsenenalter zeigen.

 

Ist ADHS vererbbar?

Ja – häufig ist jemand in der Familie davon betroffen (Elternteil, Verwandtschaft). Es ist eine neurobiologisch erklärbare, vererbte Entwicklungsstörung, die alle Altersgruppen und Gesellschaftsschichten umfasst.

 

Lässt sich ADHS im Erwachsenenalter gut diagnostizieren?

Es ist eine komplexe Diagnose, die noch viel zu selten korrekt gestellt wird. In etwa neun von zehn Fällen wird ADHS verkannt und bleibt unbehandelt.  (Dr. med. Christoph C. Kaufmann)

Deshalb muss die Abklärung zwingend durch eine ausgewiesene Fachperson gemacht werden. (bspw. Schweizerische Fachgesellschaft ADHS, www.sfg-adhs.ch)

 

Was ist die Konsequenz?

Nicht diagnostizierte Betroffene werden oft als faul, labil, egoistisch, unbeherrscht oder chaotisch verurteilt. Ohne Behandlung sind diese Menschen „trotz Wollen“ unfähig,  sich zu ändern. Diese Tatsache wiegt schwer. Wird eine ADHS-Symptomatik nicht rechtzeitig entdeckt, besteht ein erhöhtes Risiko eine Abhängigkeitserkrankung (Komorbidität), Essstörung oder Suchtproblematik zu entwickeln.

 

Was ist positiv an ADHS?

ADHS betroffene  Menschen sind mit ihrer Kreativität, ihrem Gerechtigkeitssinn, ihrer Begeisterungsfähigkeit und ihrem Improvisationstalent wertvolle und bereichernde Mitglieder der Gesellschaft.

 

Beeinflusst die ADHS die Intelligenz?

ADHS hat grundsätzlich nichts mit der Intelligenz zu tun. Vielmehr ist es so, dass Betroffene aufgrund einer verkürzten Konzentrationsspanne und erhöhter Ablenkbarkeit ihr eigentliches Potenzial nicht ausschöpfen können. So gibt es nicht selten hochbegabte Menschen mit einer ADHS, wie beispielsweise Einstein, dem Erfinder der Relativitätstheorie. 

 

Wie wird ADHS behandelt?

Nach der Diagnose wird die Multifunktionale Therapie angegangen – also keine Mono-, sondern eine Kombinationsbehandlung, die individuell auf den Betroffenen abgestimmt wird. Das bedeutet, dass die Therapieziele auf verschiedenen Ebenen liegen. Angefangen wird mit der Psychoedukation: der Aufklärung des Betroffenen und seines Umfelds/Partner/Bezugspersonen. Als zweiter Schritt wird je nach Leidensdruck eine Medikation mit Stimulanzien in Betracht gezogen. Bei sozialen, psychischen oder alltagspraktischen Schwierigkeiten kann ein Verhaltenstraining, eine Psychotherapie oder ein Coaching die Behandlung ergänzen.

 

Wie sinnvoll ist eine Psychoedukation?

Sie ist aufgrund ihrer psychotherapeutischen und pädagogischen Elemente sehr effektiv,  was nach langjährigen Studien spanischer Forscher bestätigt worden ist (Deutsche Ärztezeitung 10.4.12)

 

Was ist ein ADHS-Coaching?

Ein ADHS-Coaching ist und ersetzt keine Psychotherapie. Der Coach erarbeitet zusammen mit dem Klienten Strukturen und Verhaltens-Strategien für seinen Alltag (Berufsleben, Haushalt, Familie oder Partnerschaft). Er erteilt dem Betroffenen keine Ratschläge, sondern erkundet gemeinsam mit ihm  seine Ressourcen und unterstützt den Klienten bei seiner eigenständigen Umsetzung der schriftlich festgehaltenen Ziele. Das Coaching hilft dem Betroffenen, sein Verhalten besser zu reflektieren. Ein professioneller Coach  verweist Klienten ohne Abklärung an einen ADHS-spezialisierten Facharzt/Psychiater/Psychologen und bietet Hand, mit den involvierten Spezialisten zusammen zu arbeiten. 

 

Wie wirken Medikamente bei ADHS?

Bei Erwachsenen steht zu Beginn der multimodalen Therapie häufig die Medikation mit Stimulanzien, weil gewünschte Verhaltensänderungen oft erst dadurch möglich werden. Ziel ist es damit Kernsymptome wie Ablenkbarkeit, Aufmerksamkeitsstörung, Desorganisation und Impulsivität zu mildern. So lassen sich beispielsweise starke Gefühlsausbrüche besser kontrollieren.

Stimulanzien wirken auf das System der Botenstoffe, die sogenannten Neurotransmitter, im Gehirn. Im Besondern auf den Dopamin- und Noradrenalinhaushalt. Das Medikament der Wahl verbessert den Informationsaustausch zwischen aussendender und empfangender Nervenzelle. Dadurch kommt es zur besseren Übertragung der Nervenimpulse zwischen „Sender und Empfänger“. Einströmende Reize können effektiver gefiltert und verarbeitet werden.

 

Medikament und Autofahren?

ADHS-Betroffene haben im Strassenverkehr ein erhöhtes Unfallrisiko. Stimulanzien unterstützen die Konzentration, Aufmerksamkeit und Impulskontrolle. Um bei einer Polizeikontrolle keine böse Überraschung zu erleben, sollte jedoch ein ärztliches Zeugnis/Verordnung mitgeführt werden.

 

Kann das Medikament mit auf Auslandreise?

Grundsätzlich ja. Trotzdem sollten gewisse Massnahmen für eine reibungslose Auslandreise getroffen werden. So ist genauestens auf die Zollbestimmungen zur Einfuhr von Stimulanzien zu achten. Fragen Sie im Reisebüro, beim Zollamt oder der Botschaft nach. Weiter bewährt es sich, das Originalrezept und die Verpackung dabei zu haben so wie zusätzlich ein Arztzeugnis. Auf diese Weise kann das Medikament auch im Handgepäck mitgeführt werden. Weitere Infos siehe:

www.swissmedic.ch/produktbereiche/00447/00462/index.html?lang=de

 

Hilft Sport bei ADHS?

Ja – Sport fördert die Aufmerksamkeit und hilft bei der Stressbewältigung. Ideal sind Joggen, Radfahren oder Tanzen, um innere oder muskuläre Spannungen abzubauen (mindestens 3x wöchentlich).


Hilfe mein Partner hat ADHS – was kann ich tun?

Es ist wohl kein Zufall, dass sich Menschen mit einer ADHS oft einen ebenfalls betroffenen Partner oder Partnerin verbinden. Es ist diese Seelenverwandtschaft, die sie zusammen führt. Der erwachsene Zappelphilipp findet bei der verträumten Chaosprinzessin die Ruhe, die ihm fehlt und die Anerkennung seines Andersseins. Das kann einerseits erfüllend und ergänzend sein, andererseits ist es unter Umständen eine störungsanfällige Partnerschaft, besonders wenn auch noch Kinder ins Spiel kommen. Wichtig ist hier vor allem:  Kommunikation, Bedürfnisse klar äussern, Verständnis für den andern entwickeln, Verantwortung für sich selbst übernehmen und wissen – niemand ist perfekt.

Sie sind nicht betroffen, aber Ihr Partner oder Ihre Partnerin: Ein erster, wichtiger Schritt ist die Auseinandersetzung mit der Thematik ADHS und die Auswirkungen auf das Umfeld.  Lassen Sie sich von der Fachperson, die die Diagnose gestellt hat, aufklären. Fragen Sie genau nach. Bei Alltagsschwierigkeiten ist ein Einzel- oder Partnergespräch bei einem professionellen ADHS-Coach wertvoll und hilfreich. 


Muss ich dem Arbeitgeber sagen, dass ich eine ADHS habe? 

Gemäss einem Memorandum von Dr. Lucius Huber (Advokat) gilt hinsichtlich der Auskunftspflicht gegenüber einem künftigen Arbeitgeber betreffend ADHS in aller Regel:

„....Es ist Arbeitgebern nicht erlaubt, etwa in einem Personalfragebogen Fragestellungen aus dem Symptomkatalog einer ADHS-Abklärung einfliessen zu lassen. Dies wäre eine Verletzung der Datenschutzvorschriften.

Erwachsene sind ebenfalls nicht verpflichtet, im Rahmen eines Anstellungsgesprächs ADHS bekannt zu geben... „

Die Erfahrung zeigt, dass es manchmal sinnvoll ist, erst nach der Anstellung zu erwähnen, falls es überhaupt notwendig sein muss. Es ist nun mal so, dass Bewerber ohne ADHS den Vorzug haben.

Unter Umständen kann es sich lohnen, seine ADHS bekannt zu geben. Ein offener und kluger Arbeitgeber setzt einen ADHS betroffenen Bewerber zielgerichtet dort ein, wo er seine Ressourcen und Leistung optimal einbringen kann. So haben Computer-Unternehmen in den USA die Fähigkeiten ADHS betroffener Arbeitnehmer längst erkannt.

 

Immer wieder Stress am Arbeitsplatz, was tun?

Häufig suchen unerkannte, erwachsene ADHS Betroffene erst dann Hilfe, wenn sie zum x-ten Mal ihren Job verlieren oder gar nie richtig Fuss fassen konnten in der Arbeitswelt. Immer wieder müssen sie erleben, dass sie ihr Potential nicht ausschöpfen können oder mit ihrem Verhalten anecken. Wenn Ihnen dies seit Jahren immer wieder passiert und Sie trotz WOLLEN nicht KÖNNEN, ist es höchste Zeit, dass Sie die Ursache der Schwierigkeiten abklären lassen. 

Sie sind abgeklärt und kommen im Job immer wieder an Ihre Grenzen. Sie haben Mühe, Termine einzuhalten? Die Zusammenarbeit mit anderen Arbeitnehmern ist durch Ihr Verhalten belastet oder Sie steuern auf ein Burn-out zu? Dann ist ein offenes Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten dringend nötig, um Transparenz über Ihre ADHS-Problematik zu schaffen. Eventuell lässt sich innerhalb des Betriebes ein Platz finden, bei dem Sie sich besser einbringen können. Mit einem zusätzlichen ADHS-Coaching können Sie sich Strategien aneignen, um im Arbeitsalltag zu bestehen (z.B. Zeitmanagement, Prioritäten-Handling, Kommunikationstraining, Entspannungstechniken).